FORT IV (äußerer Festungsgürtel)
06°51'41" E, 50°58'17"N
Linie 3, Haltestelle Schaffrathsgasse (Fußweg ca. 900m),
Linie 4, Haltestelle Bocklemünd (Fußweg ca. 950m)

Nachdem durch Neuerungen in der Waffentechnik weiter reichende Geschütze zum Einsatz kamen, wurde schnell klar, dass der Abstand der alten, nach 1816 erbauten Forts zur Stadtmauer nicht ausreichend war. Daher wurde beschlossen einen weiteren Gürtel von Festungen in einem Radius von ca. 6km rund um den Stadtkern sowie eine neue Stadtumwallung zu errichten.

So wurde zwischen 1874-1877 auf der linken Rheinseite das Fort IV am Freimersdorfer Weg in Bocklemünd-Mengenich erbaut. Es folgte den Vorgaben des Festungsbau - Generals Alexis von Biehler als polygonales Artillerie - Fort. Im Rahmen der Entwicklung der Explosiv-Geschosse wurden in den 1887 bis 1890er Jahren entscheidende Verstärkungen in Form von Beton- und Sandauflagen über den Kasematten und Veränderungen der Grabenverteidigungen vorgenommen. So verlegte man sämtliche Grabenverteidigungen in die feindwärts liegende Grabenmauer ("Kontereskarpe" )
Die zunächst als Geschützaufstellung (" Traversen" ) genutzten Wälle des Forts wurden zu Infanterie - Stellungen umgebaut und die Geschütze zu beiden Seiten des Forts als "Anschlußbatterie" verlegt.

Bewaffnung : ca. 14 Geschütze vom Kaliber 8 bis 15cm.
Besatzung: Als Artilleriefort etwa 900 Mann.
Ausmaße: ohne Anschlußbatterie etwa 320 x 190m
Mauerdicke: zwischen 1 - 3m
Kasemattenbedeckung: 1m Ziegelmauerwerk, dann 1m Sandpolster - darauf 1,20m Beton und als Abschluss 0,50m Erde.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde es als "grünes Fort" umgestaltet nach dem Plan von Fritz Encke (1923) Ausführung: 1924/25


Definition Festungsbrunnen

Wie in allen Zeiten gehört die Frischwasserversorgung in Gebäuden, welche zum Schutz vor Belagerung errichtet wurden, zu den wichtigsten Einrichtungen. Ein Festungsbrunnen war oftmals der sowohl hinsichtlich der Erbauungszeit als auch der Errichtungskosten der aufwendigste Bauabschnitt einer Festungsanlage. Sein Bau - vor Allem in bergigen Regionen - konnte zum Teil mehrere Jahrzehnte dauern.
Der Brunnen diente – neben den Zisternen – sowohl in friedlichen Zeiten als auch in Belagerungsfällen der Festungsbesatzung und gegebenenfalls auch der dort in Kriegszeiten schutzsuchenden Zivilbevölkerung als sichere Trinkwasserquelle. Sie konnte auch im Belagerungsfall nicht „von außen“ vergiftet werden (Brunnenvergiftungen zum Beispiel durch verwesende Kadaver waren im Mittelalter ein oft angewandtes Mittel, um eine Burgbesatzung zur Aufgabe zu zwingen).
Abhängig vom Höhenabstand der Festung über dem Grundwasserstand, ist ein beträchtlicher Höhenunterschied zu überwinden, um zur nächsten ausreichend wasserführenden geologischen Schicht zu gelangen. Außerdem trat beim Brunnenbau das Problem auf, die den Brunnen von Hand in den Felsen vortreibenden Arbeiter mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.

Ausgangslage

Da die Kölner Bucht recht flach - und damit der Grundwasserspiegel leicht zu erreichen ist - sollte die Frage der Brunnenkonstruktion - und Tiefe ermittelt werden. Ebenso interessant war die Zuleitung zu den Zisternen zu lokalisieren.
Auch hier stand der Erhaltungszustand und die Sicherheit des Gebäudes im Vordergrund, auf welchem sich das Vereinsheim des Postsportvereines befindet.

Ausführung

1. Zusammentragen der noch vorhanden Pläne aus eigenem und europaweitem Archiv.

2. Beurteilung des Grabungsvorhabens. Hier besonders: Liegt eine Einsturzgefahr vor?

3. Sicherung der Grabungsstelle durch Absperrungen und Probegrabungen zur Lokalisation des Brunnens

4. Erfassung der einzelnen Schritte des Grabungsvorganges und Dokumentation der Maßnahme in Wort und Bild.

5. Fortlaufende Korrektur der Festungspläne anhand des evaluierten Befundes.

Zunächst mussten die verrotteten Klimaschächte aus den Einbauten des 2. Weltkrieges entfernt werden, damit der Forschungsgruppen von dort keine Gefahr drohte. Dabei wurde ein Abflussrohr entdeckt, welches nach unten führt und vorsichtig zur Beurteilung mit einer Rohrkamera eröffnet.
In Folge wurde der eigentliche Brunnen gefunden und behutsam freigelegt. Hier stellte sich in 10 Meter Tiefe die Brunnenstube dar, jedoch noch nicht der Wasserspiegel. Das ursprüngliche Förderrohr war in einem schlechten Erhaltungszustand, führte jedoch immer noch durch die Decke der Brunnenstube tiefer. Dieses Förderrohr zweigt etwa 3 Meter unterhalb des Fußbodens in die Seitenwand des Brunnenschachtes ab. Daher ist davon auszugehen, dass der Pumpenschwengel war also im Gegensatz zu anderen Kölner Forts nicht über dem Brunnen an der Seitenwand, sondern an anderer Stelle im Raum angebracht war.

Da der Schacht abgedeckelt war, ist dieser Brunnen offensichtlich in Vergessenheit geraten. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, warum man im Flur im zweiten Weltkrieg einen neuen Brunnen baute.

Eine Ableitung zu den Festungszisternen konnte nicht nachgewiesen werden. Ebenso war die eigentliche Tiefe durch die zur Verfügung stehenden Mittel nicht risikolos ermittelbar. Daher wurde an dieser Stelle das Projekt beendet.

Lage der beiden Brunnen zueinander. Links hinter dem Gitter, der Brunnen mit Brunnenstube.
Lage der beiden Brunnen zueinander. Links hinter dem Gitter, der Brunnen mit Brunnenstube.
Blick in den Brunnen, auf die Brunnenstube
Blick in den Brunnen, auf die Brunnenstube

Ergebnis

Es ist keine Gefährdung des Gebäudes durch den Brunnenschacht erkennbar.
Weder die strukturelle Integrität des Schachtes ist gefährdet, noch eine Durchnässung der Gebäudesubstanz waren feststellbar.
Leider konnte der Wasserpegel nicht ermittelt werden, dazu wäre andere - umfassendere - Maßnahmen erforderlich gewesen.

Abdeckplatte des zweiten Brunnens.
Abdeckplatte des zweiten Brunnens.
Erste Untersuchung des Bodens im zweiten Brunnen.
Erste Untersuchung des Bodens im zweiten Brunnen.
Erste Untersuchung des Bodens im zweiten Brunnen.
Erste Untersuchung des Bodens im zweiten Brunnen.

 Definition Kriegspulvermagazin

Im Verteidigungsgsfall hatte des Kriegspulvermagazin die Aufgabe, die Pulvervorräte der Friedenspulvermagazine aufzunehmen, welche aus Sicherheitsgründen außerhalb der Festung errichtet wurden. Die hochexplosiven Pulvervorräte wurden stets außerhalb der Festungen aufbewahrt.
Bei jeder Armierung wurden die Pulvervorräte von den Außendepots in die kasemattierten Kriegspulvermagazine hinter dem Hauptwall zurückgeholt.
Das Magazingebäude besteht im Kern aus einem massiv gemauerten, langgestreckten Tonnengewölbe. An der vorderen Stirnseite liegt eine kleine Eingangs-Schleuse mit gewinkeltem Zugang. Zum Schutz gegen die stärkere Durchschlagskraft von Geschossen aus gezogenen Geschützen, die um die Jahrhundertmitte entwickelt und in den Armeen eingeführt wurden, war der Kernbau mit zweiten Mauerschale ummantelt, mit einer Sand- und Betonauflage versehen und mit Erde bedeckt. Der Luftmantel zwischen den Mauern diente jedoch auch der Trockenhaltung des Bauwerks und der Pulvervorräte. Die Pulverfässer waren in zwei Geschoßebenen auf einer Holzkonstruktion gelagert. Pulvermagazine wurden üblicherweise vom Hauptwall abgerückt konstruiert. Hierdurch sollte ein Aufbruch des Wallsystems im Falle einer Explosion verhindert werden.

Ausgangslage

Da nach Einebnung der beiden Waffenhöfe und der Wälle eine große Sportfläche für den Postsportverein Köln e.V. geschaffen wurde, erkundete im Sommer 2007 die Forschungsgruppe Festung der Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V. das linke Kriegspulvermagazin. Diese Situationsfestellung zur Beurteilung der Verkehrssicherheit im Bereich des als Freizeitbereich genutzten Geländes wurde wissenschaftlich angegangen:

1. Zusammentragen der noch vorhanden Pläne aus eigenem und europaweitem Archiv.

2. Beurteilung des Grabungsvorhabens unter Naturschutz - Kautelen (keine Entfernung geschützter Pflanzen oder ökologischer wertvoller Bereiche)

3. Sicherung der Grabungsstelle durch Absperrungen und Probegrabungen zur Lokalisation des Gebäudes

4. Erfassung der einzelnen Schritte des Grabungsvorganges und Dokumentation der Maßnahme in Wort und Bild.

5. Fortlaufende Korrektur der Festungspläne anhand des evaluierten Befundes.

Ausführung der Ausgrabung

Am 10.08.2007 erfolgte der erste "Spatenstich".
Die Arbeiten wurden mit großer Umsicht betrieben, denn es sollten keinesfalls Baumwurzeln beschädigt werden. Konsequenterweise - dem Gedanken des Naturschutzes folgend - wurde der Dachaufbau nicht komplett freigelegt.

Dennoch ist an unkritischen Stellen dem Dachaufbau gefolgt worden mit dem Ergebnis, daß die Deckenkonstruktion des Kriegspulvermagazines als vollständig erhalten anzusehen ist.
In Folge dieser Erkenntnis wurde nun von der Schmalseite des Gebäudes der eigendliche Eingang vermutet und ein Zugang angelegt. Am 22.10.2007 war der Eingang freigelegt und der vordere Bereich einsehbar. Dieser bestand aus einem Flur mit 2 Schießscharten in Richtung Kehlkaserne in der Stirnwand des Kriegspulvermagazines.

Zeichnung des linken KPM. Es ist spiegelverkehrt baugleich mit dem rechten.
Zeichnung des linken KPM. Es ist spiegelverkehrt baugleich mit dem rechten.

 

Zeichnung des linken KPM. Der Zugang war rechts. Die drei kleinen Öffnungen sind Belüftungsöffnungen.
Zeichnung des linken KPM. Der Zugang war rechts. Die drei kleinen Öffnungen sind Belüftungsöffnungen.

4. Folgender Befund wurde dabei ermittelt:

In Längsachse steht noch 2/3 des Kriegspulvermagazins, das vordere Drittel in Richtung Verbrauchspulvermagazin mitsamt dem Eingangsbereich wurde völlig gesprengt und liegt nun unter dem Fußballplatz des Postsportvereines. Es ist möglich unter den Trümmern noch ca. 10 bis 15 Meter unterhalb des Fußballplatzes einen offene Bereich auszuleuchten, eine Begehung erschien jedoch zu gefährlich.

Die ehemals ca. zweieinhalb Meter dicke Decke ist durch die Sprengung nur noch einen halben Meter stark, also keineswegs einsturzgefährdet, jedoch militärisch gesehen ist das Kriegspulvermagazin zerstört.

Nach erfolgreicher Dokumentation wurden schon im Frühjahr 2008 alle Erdbewegungen rückgearbeitet und der Bereich wieder für die Freizeitsportler freigegeben.

 

Grabungsstelle am rechten KPM
Grabungsstelle am rechten KPM
Der Durchstich
Der Durchstich
Erste Erkundung mit der Kamera
Erste Erkundung mit der Kamera
Rückseite des KPM, die hintere Mauer des Innenraum ist zerstört
Rückseite des KPM, die hintere Mauer des Innenraum ist zerstört
Beginn der Belüftungsöffnung, rechts hinten
Beginn der Belüftungsöffnung, rechts hinten
Blick in den umlaufenden Gang, hinten links
Blick in den umlaufenden Gang, hinten links

 

Bei Interesse bietet die Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V. mehrstündige Führungen an.

Der Name Landschaftspark Belvedere beschreibt die weite Feldflur von ca. 300 ha zwischen der Eisenbahnlinie Köln - Aachen und dem Freimersdorfer Weg sowie der Autobahn A1 und der Militärringstraße. Die durch das Gebiet von Süden nach Norden verlaufende Belvedere Strasse sowie als auch der Park haben ihren Namen durch den alten Bahnhof Belvedere erhalten.

In der Flurmitte liegt das Gut Vogelsang: bis zum Ende des 1. Weltkrieges war dort ein ganz besonderes Zwischenwerk der preußischen Fortanlagen mit der einzigen Grussion - Panzerkuppel Kölns, heute ist dort das Gelände des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung.

1923 erwirkte Konrad Adenauer als Oberbürgermeister der Stadt Köln, dass der äußere preußische Militärrayon nicht bebaut werden durfte und als Wald- und Wiesengürtel ausgestaltet werden sollte.

Pläne wurden gemacht und liegen noch im Original vor. Zwischen Müngersdorf und Bocklemünd wurden seine Pläne bislang nicht verwirklicht, dieser Bereich wurde weiter landwirtschaftlich genutzt.

Am Frühlingsanfang 2004 pflanzten daher Aktive des Freundes- und Förderkreis Landschaftspark Belvedere und ihr Schirmherr Konrad Adenauer am Mittelweg in Lövenich eine Eiche und bauten darum einen Kreis aus zwölf Findlingen. Der erste Anfang war geschafft!

 Landschaftspark Belvedere wird als Projekt der REGIONALE 2010  von der Arbeitsgruppe "Regio-Grün" zu einer ästhetisch und ökologisch anspruchsvollen Kulturlandschaft mit

Naherholungs-, Gesundheits- und Umweltbildungsfunktionen weiterentwickelt werden.

Auch hier wurde die Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V. hinzugezogen, um die Einbettung der historischen Festungsanlagen in das Projekt mit zu planen und dem Denkmalschutz und der Erhaltung als Boden- und Baudenkmal Rechnung zu tragen. Ziel soll es sein, dem Besucher des Landschaftsparks ganz selbstverständlich bei dem Erleben der wundervollen Parkgestaltung auch das historische Erbe unserer Stadt näher zu bringen, welche sich harmonisch in das Gesamtensemble einfügt.

dere ParkBelvedere Park

Bitte lächeln!

Die Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V. genießt bei ihren Veranstaltungen und Führungen öffentliche und journalistische Aufmerksamkeit.

Eine Reihe von Fotografen und Kamerateams sind oft dabei; sie machen Aufnahmen, auf denen möglicherweise auch Sie zu sehen sein werden.
Ihre Fotos und Filmsequenzen werden im Zuge der Medien-Berichterstattung in Zeitungen, Magazinen und Fernsehen sowie in sozialen Netzwerken und Online-Bildarchiven verbreitet und auch archiviert werden. Die AFK lässt im Rahmen ihrer Vereinstätigkeit ebenfalls Fotos und Filmaufnahmen anfertigen, die für ihre Öffentlichkeitsarbeit in Drucksachen, auf Datenträgern und im Internet veröffentlicht werden.

Mit Ihrer Teilnahme an Veranstaltungen, Führungen und Vereinsaktivitäten erklären Sie sich mit diesen Aufnahmen und ihrer Verbreitung einverstanden. Wir danken Ihnen, dass Sie die AFK auf diese Weise unterstützen.

 

Die AFK hat endlich ein "Zuhause"

Anfang diesen Jahres wurde uns durch die Stadt Köln die Anmietung der ehemaligen Hausmeisterunterkunft im Zwischenwerk III b / Waldschule II angeboten.

Inzwischen ist es zur Vertragsunterzeichnung zwischen der Stadt Köln und dem Verein gekommen.

Derzeit arbeiten wir emsig im Innen- und Außenbereich daran, einen vorzeigbaren Zustand herzustellen.
Die "Feuertaufe" haben wir am 15. und 16. Juni 2013, im Rahmen der Veranstaltung "DENKmal 2013" - in Zusammenarbeit mit Fortis Colonia e.V. -, bestanden.

Im Spätsommer soll dann, in enger Abstimmung mit dem Stadtkonservator und dem Liegenschaftsamt, die Renovierung des Innenbereiches beginnen.

Kreuzung Militärringstraße / Buschweg, Einfahrt Buschweg 2, 50829 Köln

Ungeachtet des jetzigen Zustands würden wir uns über Ihren Besuch freuen. Denn beim netten "Klönschnack" können Sie hier vor Ort etwas über die zivile Umnutzung zur Waldschule erfahren und sich einen Eindruck über das entmilitarisierte Zwischenwerk IIIb machen.

Der Eingang zum Haupthohlgang

Der Eingang zum Haupthohlgang

Der Eingang von der Militärringstraße wird wieder zugänglich gemacht

Der Eingang von der Militärringstraße
wird wieder zugänglich gemacht

Arbeitsbesprechung mit Kaffee und Kuchen

Arbeitsbesprechung mit Kaffee und Kuchen

Es gibt noch viel zu tun...

Es gibt noch viel zu tun...

Die vorläufige Innenarbeiten haben begonnen

Die vorläufige Innenarbeiten haben begonnen

Vorbereitungen für die erste Vortragsveranstaltung sind abgeschlossen

Vorbereitungen für die erste Vortragsveranstaltung
sind abgeschlossen

Unser "Büro"

Unser "Büro"

Die Informationsbereiche werden gestaltet

Die Informationsbereiche werden gestaltet

Anschrift: 50670 Köln, Neusser Wall 33

 

KVB: U 12 und 15, Haltestelle Lohsestraße (600m Fußweg), U 16 und 18, Haltestelle Reichensperger Platz (450m Fußweg), Buslinie 140, Haltestelle "Worringer Straße", AST-Linie 184, Haltestelle "Lentpark"

 

PKW-Parkplatz: P+R am Zoo

 

GPS-Koordinaten: 50.957064, 6.961575

 

Fort X – ein Kölner Kleinod

Halb verborgen hinter großen Bäumen, von den umgebenden Straßen fast nicht zu sehen, liegt das Fort X am Neusser Wall 33 in der Kölner Neustadt-Nord. So versteckt, am Rand der Kölner Innenstadt, lag es nicht immer. Dies hat sich erst seit der Grundsteinlegung bis heute so entwickelt.

 Am 4. Oktober 1819 wurde mit den Bauarbeiten am Fort X begonnen. Es war eines von insgesamt elf linksrheinischen detachierten Forts. Die Forts wurden zur Verstärkung der Stadtverteidigungsanlagen ca. 500 – 900 m im Halbkreis vor der Stadtmauer, zwischen 1816 – 1847, errichtet. Das Fort X wurde bereits 1825 in seiner ersten Version fertig gestellt.

Nach Fertigstellung legte der Preußische König Friedrich Wilhelm III für die ersten fünf Forts Namen fest. Am 9. September 1825 bekam Fort X den Namen „Prinz Wilhelm von Preußen“, den es bis heute führt. Friedrich Wilhelm Karl, Prinz von Preußen (* 3. Juli 1783; † 28. September 1851) war der dritte jüngere Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III von Preußen. Er war Generalgouverneur der Rheinprovinzen.

Fort X ist in seinem heutigen Erhaltungszustand für Köln einmalig. Es ist das einzige Fort der ersten Bauphase (1816 – 1825), in dem der Gesamtzusammenhang der einzelnen fortifikatorischen Elemente noch anschaulich zu erkennen ist.

Der heutige Bauzustand ist eine Mischung aus den letzten Modernisierungen der 1860er Jahren und der Zeit 1882-1891, als Fort X in die neue Stadtumwallung integriert war. Mit der Umgestaltung zum Grünen Fort nach den Ideen von Fritz Enke wurden in den 1920er Jahren weitere Bauelemente verändert. Beschädigungen im 2. Weltkrieg, der Teilabriss des Kehltambours in 1960er Jahren sowie die Rekonstruktion der beschädigten Teile waren die zuletzt durchgeführten Veränderungen.

Aus der ersten Bauphase des Fort X sind vermutlich keine Dokumente überliefert, zumindest wurden bis heute keine gefunden.

Landkarten der Stadt und Festung Köln von 1845 und 1873 lassen jeweils auf Details schließen. Das Fort wurde, wie alle anderen, ständig modernisiert und verstärkt. Diese kontinuierlichen Modernisierungen waren die Konsequenz der zum einen sichtbar werdenden Baumängel, z.B. mangelhafte Dachentwässerung, als auch der Anpassung an die sich schnell weiterentwickelnde Angriffsbewaffnung, vor allem der Artillerie.


 

Bauphase 1816 – 1825

Das Fort X bestand aus einem halbrunden bombensicheren Reduit mit zwei kehlseitigen Traditoren, alles jeweils mit zwei oberirdischen Etagen. Das Reduit wurde geschützt durch einen feindwärts vorgelagerten Erdwall, dem trockene Graben und dem Glacis mit dem gedeckten Weg. Unter dem Glacis befanden sich gemauerte Minenanlagen. In den bombensicheren Räumen konnten etwa 300 Mann mit den nötigen Munitions- und Proviantvorräten untergebracht werden. Fort X hatte kein baugleiches Pendant. Es unterschied sich im wesentlichen von den vier anderen zeitgleich gebauten Forts durch die extrem kurzen Flanken und die in Köln einmaligen, in der Kontereskarpe liegenden Reverskaponnieren.

 


 

Das Kernwerk

Fort X bestand aus einem im Grundriss halbrunden Reduit mit zwei Treppentürmen. An das Reduit waren zwei Traditoren angebaut, die keinen direkten Zugang zum Reduit hatten. Aus den Traditoren konnte sowohl der Kehlgraben als auch der Zwischenraum zu den beiden ab 1841 gebauten Nachbarforts mit Geschützfeuer gesichert werden. Auf der Kehlseite war das Reduit ausschließlich mit Ziegeln gemauert, auf der Frontseite hingegen in ganzer Breite in Säulenbasalt ausgeführt. Zusätzlich war die Frontseite mit Breschierbögen verstärkt.

 

 

 

Blick auf das Reduit, in der Mitte der rechte Treppenturm, rechts der Traditor

 

 

Erdgeschoß und erste Etage des Reduit hatten jeweils 16 Kasematten. Im Obergeschoß waren ausschließlich Geschützscharten eingebaut. Die beiden Traditoren hatten je drei Kasematten pro Etage. Die Latrinen in Erd- und Obergeschoß waren mit Gewehrscharten versehen.

Die Kasematten im Reduit waren nicht mit einem separaten Gang verbunden, sondern man musste von den Treppentürmen kommend alle anderen Kasematten durchqueren

Im Erdgeschoß des Reduits gab es jeweils acht Kasematten mit Gewehr- und acht Kasematten mit Geschützscharten. In den Traditoren waren alle Kasematten im Erdgeschoß mit einer Geschütz- und links und rechts daneben mit Gewehrscharten ausgestattet.

Im Kellergeschoß befand sich ein umlaufender Gang, der ebenfalls über die beiden Treppentürme zu erreichen war. Er reichte nicht bis zu den Traditoren. In diesem Gang sind heute noch die vorbereiteten Eingänge zu sieben Minengängen erkennbar, die Richtung Enveloppe führten. Wie weit die Gänge tatsächlich bis in den Enveloppenhof führten ist heute auf Grund von Vermauerungen nicht mehr erkennbar.

Im Kehlhof sind noch die Schächte erkennbar, über die der Abraum aus den Minengängen entsorgt werden sollte. Nach jetzigen Erkenntnissen waren die Traditoren nicht unterkellert.

 

Bild fehlt noch

linker Traditor, im EG Geschützscharte flankiert durch zwei Gewehrscharten

Auf dem Foto ist die Frontseite des linken Traditors zu sehen. Die Dreier-Gliederung der Scharten im Erdgeschoß, sowie die einzelne Geschützscharte im Obergeschoß entsprechen der Originalbauweise. Über der Geschützscharte im Erdgeschoß ist die Öffnung eines Dampfabzuges zu erkennen. Der Pulverdampf des Obergeschosses wurde über das Dach abgeleitet. Die Frontseite der Traditoren war mit starken Breschierbögen verstärkt. Vor den Traditoren befand sich ein Diamantgraben.

 


 

Der Graben und das Glacis

Das Fort war umschlossen von einem trockenen Graben. An diesem mit Eskarpe und Kontereskarpe gefassten Graben folgte das mit Minengängen vorbereitete Glacis. Zwischen Graben und Glacis hat sich vermutlich der gedeckte Weg befunden. Im Gegensatz zu allen anderen Forts waren die Kaponnieren nicht an die Kontereskarpenmauer angelehnt, sondern wirkten aus der Basis flankierend auf die ganze Grabenlänge als Reverskaponnieren.

Bild fehlt noch

Eskarpenmauer rechts, mit Breschierbögen und Gewehrscharten


 

Veränderungen bis 1873

Da die Artillerietechnik seit 1860 einen großen Sprung in der Entwicklung gemacht hatte, musste die Enveloppe verstärkt werden. Dies geschah durch eine Erhöhung der Enveloppe, so dass das Mauerwerk des Reduit aus Angriffsrichtung vollständig geschützt war. Das Fort X verlor damit die Fähigkeit aus der oberen Etage über die Enveloppe auf einen Angreifer schießen zu können. Um wieder eine entsprechende Anzahl von Geschützen  einsetzen zu können wurden auf dem Dach des Reduit Artilleriestellungen errichtet. Zusammen mit den Artilleriestellungen auf der Enveloppe hatte das Fort nun wieder zwei Geschützebenen.

 

Kartenausschnitt von 1873

Auf dem Kartenausschnitt von 1873 ist im Enveloppenhof ein neues Gebäude zu erkennen, ein sog. Hangar. Er bot Soldaten und Geschützen auf dem Alarmsammelplatz einfachen Schutz. Auf der Enveloppe sind sechs Traversen zu erkennen. Sie boten den Geschützbesatzungen Schutz vor Flankenfeuer und Geschoßsplittern. Zwei Rampen führten auf die Enveloppe und ermöglichten schnellen Nachschub an Munition, ggf. auch das Ersetzen eines Geschützes.

 


 

Umgestaltung zur Gartenanlage

Friedrich August Ernst Encke, genannt Fritz Encke war städtischer Gartenbaudirektor in Köln. Er entwarf zahlreiche Parkanlagen und Plätze in Köln, auch die Umgestaltung des Fort X in den 1920er Jahren.

 

Planausschnitt von 1919

Auf dem Planausschnitt sind die gartengestalterischen Elemente gut zu sehen. Nach Abriss der neuen Stadtumwallung war das Fort X in seinen wesentlichen Elementen noch erhalten. Die Grundelemente des Forts wurden in die Planung mit integriert. Die wesentliche Veränderung erfuhr die Enveloppe. Die Traversen wurden eingeebnet und auf der Fläche entstand der Rosengarten. Der Graben wurde mit Bäumen begrünt. In die übrige Bausubstanz wurde nicht eingegriffen.


 

2. Weltkrieg bis heute

Durch die schweren Bombardierungen der Kölner Innenstadt wurde auch das Fort X beschädigt. Zwei Volltreffer sind nachweisbar, einer zerstörte das Obergeschoss des rechten Traditors, der andere beschädigte die Kasematten der Mortierbatterie in der Spitze des Forts.

Der Keller des Reduit und die Defensionsgalerie wurden als Luftschutzbehelfsbauten genutzt, wie heute noch an den Luftschutztüren im Keller und an den Betonverstärkungen in der linken Defensionsgalerie zu sehen ist.

Nach Ende des Krieges wurde das Fort mit ausgebombten Familien belegt. Der letzte Bewohner und „gute Geist“ des Fort X, Georg Polster, ist im Mai 2011 verstorben.

Der Rosengarten und der Traditor wurden inzwischen wieder hergerichtet. Der Baumbestand und die Beete im Graben sind pflegeleichtem Rasen und zwei Spielplätzen gewichen.

Wie bei allen preußischen Befestigungsanlagen, die zwischen 1815 bis 1918 errichtet wurden, musste auch von Fort X kein Schuss bei einer kriegerischen Auseinandersetzung abgegeben werden. Heute sind Traditionskorps und Pfadfinder Nutzer des über 185 Jahre alten Forts.

Der Rosengarten ist von Anfang Mai bis Ende September ein Ort der Ruhe und der Erholung. Auf den beiden, für jeweils unterschiedliche Altersgruppen vorgesehenen, Spielplätzen ist reger Betrieb. Oft ist im Graben eine Gruppe Männer anzutreffen, die, wie der ehemalige Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, eine Variante von Boule spielen.